Kooperation zwischen Wissenschaft und Praxis: Forschungsprojekt Business Process Management

In Zusammenarbeit mit der Hochschule Reutlingen, Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik, wurde ein gemeinsames Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. H. Glöckle gestartet. Mehrere Projektteams haben ihre Arbeit beendet und an ein neu zusammengestelltes Team übergeben, das wiederum ein Jahr an diesem Thema weiterarbeitet. Gegenstand des Projekts ist einerseits die konzeptionelle Entwicklung von Methoden zur Implementierung der kontinuierlichen Prozessgestaltung in den Unternehmen. Hier werden verschiedene Organisationsansätze untersucht und bewertet, die eine nachhaltige Verankerung des prozessorientierten Denkens in Unternehmen als Ergebnis haben können. Andererseits soll mit verschiedenen Tools eine komplette Prozesssteuerung aufgebaut werden, die als Plattform für Untersuchungen, zum Thema "Vom Prozessmodell zur lauffähigen Anwendung" dienen.

Projektbeginn war zum Sommersemester 2008, Phase 1 hatte eine Laufzeit von einem Jahr. Fünf Studierende aus dem Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik bildeten das erste Projektteam,  andere Studierende haben das Thema übernommen und führen es seither fort.

Parallel hierzu beschäftigten sich andere Studierende mit dem speziellen Aspekt "Business Process Design Patterns" (BPDP). Dies sind abstrahierte Muster betriebswirtschaftlicher Sachverhalte, die nicht mit "Best Practice"-Ansätzen verwechselt werden dürfen. Es entsteht ein Pattern-Repository mit exemplarischen Patterns für betriebswirtschaftliche Teilaspekte. Mit Hilfe dieser Patterns erhöht sich die Produktivität bei der Erstellung von Modellen massiv, bei gleichzeitiger Harmonisierung und Qualitätsverbesserung der Modelle.

Business Process Design Patterns (BPDP) können auch als Grundlage für die schnelle Erstellung von Ad-hoc Prozessen, bzw. schwach strukturierten Prozessen dienen. In jedem Unternehmen geht man heute davon aus, dass etwa 25% der Prozesse dieser Kategorie angehören. Auf Grund der Schnelllebigkeit eines solchen Prozesses ist eine Unterstützung durch IT-Systeme, wie z.B. durch das ERP-System nicht möglich. Trotzdem soll der Prozess nicht chaotisch ablaufen. Durch Rückgriff auf ein BPDP und Anpassung auf den konkret vorliegenden Fall wird eine effektive Prozessbearbeitung möglich. 

Um den Praxisbezug sicherzustellen wurden, neben der Zusammenarbeit mit dem STZ PVM weitere Projektpartnerschaft mit mittelständischen produzierenden Unternehmen vereinbart.

In der laufenden Iteration wird sowohl mit dem Tool BizAgi Business Suite, als auch mit dem Tool Pega (Pegasystems GmbH) gearbeitet.

Ein weiteres Thema ist die Entwicklung eines Reifegradmodells. Seine besondere Eigenschaft ist, dass nicht nur der Reifegrad des Prozessmanagements bewertet wird, sondern jeweils die Frage beantwortet wird, in welcher Form sich damit auch das Unternehmen weiterentwickelt hat und Nutzen daraus zieht. Damit soll einerseits eine eindimensionale, nur auf Prozesse fokusierte Betrachtung vermieden werden und andererseits der integrative Charakter des BPM bewertet werden.


Datum: 23.06.2017 - 17:25 Uhr
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